Ich beschäftige mich aktuell intensiv mit der Situation der Holy Cross School Bakula im indischen Bundesstaat Assam. Die Schule liegt in einer ländlich geprägten Region im Distrikt Sonitpur und ist für viele Kinder der Umgebung der einzige Ort, an dem regelmäßige Bildung möglich ist.
Assam ist sozial und wirtschaftlich stark durch einfache Lebensverhältnisse geprägt. Viele Familien leben von Tageslöhnen oder kleinen Gelegenheitsarbeiten.
Die Holy Cross School begleitet Kinder bereits ab dem Kindergartenalter. Schon sehr junge Kinder erhalten hier einen strukturierten Tagesablauf, einen geschützten Lernraum und feste Bezugspersonen. Aktuell werden Kinder bis zur siebten Klasse unterrichtet.
Die Schule ist als Ganztagsschule organisiert. Für viele Kinder bedeutet das nicht nur Unterricht, sondern auch Stabilität, Struktur und Verlässlichkeit im Alltag.
Aktuell besuchen 163 Kinder die Holy Cross School Bakula. Die Schülerschaft besteht aus Mädchen und Jungen im Alter von etwa 3 bis 13 Jahren, vom Kindergartenalter bis zur siebten Klasse. Hinter dieser Zahl stehen 163 individuelle Lebensgeschichten – Kinder aus Familien, für die der Schulbesuch mit großem Einsatz verbunden ist und Bildung eine bewusste Entscheidung darstellt.
Die meisten Familien der Schulkinder leben unter sehr einfachen Bedingungen:
Das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei rund 7.500 INR (70 EUR).
Häufig leben mehrere Generationen gemeinsam in einem Haushalt.
Drei oder mehr Kinder pro Familie sind keine Seltenheit.
Die Ernährung ist schlicht und besteht überwiegend aus Reis.
Eine Schulverpflegung gibt es nicht. Schuluniformen, Hefte und Lernmaterialien müssen von den Eltern selbst finanziert werden. Für viele Familien ist allein das eine spürbare finanzielle Belastung.
Trotzdem entscheiden sich viele Eltern bewusst dafür, ihre Kinder zur Schule zu schicken – in der Hoffnung auf bessere Zukunftsperspektiven.
In der Region zeigt sich deutlich, dass viele Kinder ihre Schulbildung nach der achten Klasse abbrechen. Die Gründe liegen meist nicht in fehlender Motivation, sondern in strukturellen Hürden:
weiterführende Schulen sind weit entfernt
Schulgebühren und Fahrtkosten überfordern viele Familien
Kinder werden früh in familiäre Arbeit eingebunden
Die Holy Cross School steht damit an einer wichtigen Schnittstelle: Sie ermöglicht Grundbildung, kann aber die bestehenden Grenzen nicht allein auflösen.
Die Schule wird von den Holy Cross Sisters getragen und von engagierten Lehrkräften unterstützt. Die Gehälter sind niedrig, medizinische Versorgung an der Schule ist nicht vorhanden. Dennoch wird der Schulbetrieb täglich mit großer Verlässlichkeit aufrechterhalten.
Der Fokus liegt klar auf den Kindern: auf Lernen, persönlicher Entwicklung und Wertschätzung – unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten.
Die Holy Cross School Bakula ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines größeren sozialen Gefüges. Sie steht für den Versuch, Bildung auch dort möglich zu machen, wo Ressourcen knapp sind und der Alltag von Unsicherheit geprägt ist.
Ein möglicher Ausbau der Schule ist perspektivisch ein Thema, steht in dieser Betrachtung jedoch nicht im Vordergrund. Entscheidend ist zunächst das Verständnis für die aktuelle Gesamtsituation: für die Kinder, ihre Familien und die Rolle von Bildung in ihrem täglichen Leben.
Love & Namaste
Nadine