Im Februar 2026 werde ich erneut nach Indien reisen. Gleichzeitig fühlt sich diese Reise anders an als viele zuvor, denn sie ist Teil meiner Aufgabe als Vorständin des L.U.C.Y. Hilfswerks – Bildung für Kinder e.V. und markiert zugleich einen neuen Anfang. Es ist ein Aufbruch in eine Region, die L.U.C.Y. bisher noch nicht kennt und die ich erstmals für unser Hilfswerk bereisen werde.
Ein Schwerpunkt dieser Projektreise wird der Bundesstaat Assam im Nordosten Indiens sein. Viele Menschen verbinden Assam vor allem mit seinem Tee. Ich begegne dieser Region jedoch zunächst über Projektunterlagen, Gespräche und erste Einblicke. Dabei wird mir schnell bewusst, wie viel Potenzial hier liegt und gleichzeitig, wie groß die Verantwortung ist. Genau daraus entstehen Neugier und Vorfreude, aber auch das Gefühl, Neuland zu betreten – aufmerksam, respektvoll und mit offenem Blick für die Menschen vor Ort.
Projektunterlagen lassen sich sorgfältig lesen, analysieren und strukturieren. Dennoch entsteht ein echtes Verständnis erst vor Ort. Erst im direkten Austausch, im gemeinsamen Blick auf Schulen, Räume, Wege und Lebensrealitäten wird sichtbar, was wirklich gebraucht wird. In Assam begleiten unsere Partnerinnen Bildungsprojekte, die tief in den lokalen Gemeinden verwurzelt sind. Gleichzeitig erkennen viele Eltern zunehmend, wie wichtig Bildung für die Zukunft ihrer Kinder ist, auch wenn sie selbst mit sehr geringen Einkommen kaum genug zum Leben haben. Diese Spannung zwischen Hoffnung und Realität begleitet mich bereits jetzt in der Vorbereitung dieser Projektreise.
Bevor wir Förderzusagen treffen können, möchte ich deshalb verstehen, sehen, fragen und zuhören. Nachhaltige Bildungsarbeit braucht Nähe, Zeit und ehrliches Interesse. Genau aus diesem Grund ist diese Projektreise für mich so wichtig.
Ich bin Inderin. Gleichzeitig bin ich Deutsch. Und ich bin Schwäbin. Diese Identität begleitet mich auf all meinen Wegen. Sie ist kein Widerspruch, sondern vielmehr ein verbindendes Element. Vielleicht ist es genau dieses Dazwischen, das mir hilft, Brücken zu bauen – zwischen Kulturen, Perspektiven und Lebensrealitäten. Deutschland, Europa und Indien sind meine Welten. Sie dürfen nebeneinander existieren, so wie der Rest unserer wunderschönen Erde, die uns alle miteinander verbindet.
Diese Projektreise ist für mich kein touristisches Abenteuer. Vielmehr ist sie eine Einladung zum Lernen, zum Verstehen und zum bewussten Hinsehen. Deshalb freue ich mich darauf, den indischen Subkontinent weiter zu entdecken – Schritt für Schritt und Begegnung für Begegnung. Mit Offenheit, mit Respekt und mit der tiefen Überzeugung, dass Bildung der Schlüssel für echte Zukunftschancen ist.
Love & Namaste
Nadine