„Wir haben große Angst, dass alles zusammenbricht!“

LUCY-Hilfswerk – Bildung für Kinder hilft in Indien beim Erhalt der schulischen Infrastruktur in Pandemie-Zeiten.

„Wir haben große Angst, dass alles zusammenbricht!“  Dies war die Antwort einer verantwortlichen Ordensfrau der indischen Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz auf die Anfrage des LUCY-Hilfswerkes, wie Sie denn die derzeitige Pandemiesituation erleben und welche Hilfe sie benötigen.

Die Menschen sterben auf den Straßen, in den Parks, vor den Kliniken, in Krankenwagen und Autos auf dem Weg in die Krankenhäuser.

Es fehlt nicht nur der lebensrettende Sauer-stoff, sondern auch Medikamente, Impfstoff und Schutzkleidung. Besonders die Tagelöhner und die ländliche Bevölkerung leiden unter der pandemiebedingten Arbeitslosigkeit und einer daraus entstehenden existentiellen Not. Viele Menschen erreicht das Virus gar nicht, sie sterben vorher an Mangelernährung und deren Folgen, besonders viele Kinder.

In den Parks von Delhi und anderen indischen Metropolen brennen die Feuer der Leichen-bestatter. Orte, die wir als Verantwortliche des Hilfswerkes noch im Januar 2020 anlässlich einer Fördererreise besucht haben. Was sonst in Varanasi am Ganges, tief religiös begründet und als touristisches Erlebnis millionenfach gesehen wird, ist jetzt traurige Realität des Lebens und der Covid-19 Pandemie überall in Indien und Ausdruck einer großen Hilflosigkeit sowie einer desaströs versagenden Politik einer national-populistischen Regierung.

Die Schwestern versuchen alles in ihren Mög-lichkeiten liegende zu tun, um den vorwiegend Armen Menschen in ihren Regionen zu helfen. Besonders in den Kliniken helfen sie, wo sie können, erleben nach eigenem Bekunden aber auch sehr intensiv den Mangel an grund-legenden Hilfsmitteln.

Die Schulen und Kindergärten und ihre Sozialstationen sind geschlossen, ihnen ist es zurzeit untersagt aktiv zu werden. Viele der Schwestern, Lehrer und Erzieherinnen haben sich bei ihren Einsätzen selbst infiziert.

Im Bildungsbereich bemühen sie sich wenigstens einige Elemente von Home-schooling zu etablieren, stoßen dabei aber auf erhebliche Grenzen. Viele Familien verfügen nicht über die technische Ausstattung, die eine Umsetzung ermöglicht, oder die Geräte sind so veraltet, dass sie nicht mehr funktionieren. Auch das Zusammenstellen von Lern-materialien ist nicht einfach, denn besonders in den ländlichen Schulen sind die Entfernungen oft zu groß und der harte Lockdown lässt die erforderliche Mobilität nicht zu. Oft fehlt es in den armen Familien an den einfachsten Schul-materialien wie Hefte, Stifte und Schulbücher. Viele der Menschen sind arbeitslos geworden und können sich diese Dinge nicht mehr leisten. Bücher machen nicht satt.

Ein besonderes und großes Problem stellt das weitere aufrecht erhalten der schulischen Infrastruktur der Schwestern dar. Die Lehrer sind nicht, wie bei uns in einem sicheren Angestellten- oder Beamtenverhältnis tätig, sondern werden durch Schulgelder finanziert. Staatliche Zuschüsse gibt es selten oder gar nicht, auch Arbeitslosen- oder Kurz-arbeitergeld sind unbekannt. Da derzeit keine Einnahmen vorhanden sind, und besonders die arme Bevölkerung auch nicht in der Lage ist, hier freiwillige Leistungen zu ermöglichen, ist die Bezahlung der Gehälter in Gefahr.

Die Sisters haben ihre eigenen Ressourcen bald aufgebraucht und es droht nun ein flächen-deckender Zusammenbruch des Schulsystems, weil die Lehrer entlassen werden müssen. Weiter beklagen die Schwestern, dass es in den Schulen an medizinischen Masken, Test-möglichkeiten und Desinfektionsmitteln fehlt, um aktiv gegen das Virus vorgehen zu können und sich selbst und die Kinder zu schützen. Für die Anschaffung werden vom Staat keine Mittel zur Verfügung gestellt und die Menschen können sie sich selbst nicht leisten.

Hier ist dringende Hilfe gefordert, denn es trifft hauptsächlich die ärmeren Bevölkerungs-schichten und deren Kinder, und da mehr-heitlich die Mädchen, die keine Bildungs-angebote mehr erhalten. Genau in diesem Bereich sind die Sisters tätig und das LUCY-Hilfswerk-Bildung für Kinder- unterstützt sie dabei seit vielen Jahren.

Die Sisters haben große Angst, dass sie in der Zeit nach der Pandemie viele der Angebote nicht mehr leisten können. Sie bitten um Unterstützung, um wenigstens einen lebens-notwendigen Anteil der Gehälter der Lehrer bezahlen zu können, damit auch deren Familien und das Schulangebot überleben können.

In den weiteren Ausführungen der Ordensfrau bat sie uns, doch für Sie, ihre Arbeit, die Mitschwestern und die vielen Familien und Kinder zu beten und den Herrgott auch darum zu bitten, dass die Pandemie ein Ende nimmt. Wir haben ihr das versprochen. Allerdings glauben wir nicht, dass in der jetzigen hochproblematischen Lage in Indien das Gebet alleine helfen wird. Die Menschen dort benötigen ganz konkrete Unterstützung.

LUCY-Hilfswerk – Bildung für Kinder e.V. – Norbert Scheiwe